Die Geschichte unseres ehemaligen Musikzugs
Auch der Musikzug hat eine abwechslungsreiche Geschichte, die in einigen Sätzen zitiert werden soll:
Seit vielen Jahren schon bestand im damaligen Espelkamp-Mittwald die Idee, einen Spielmannszug aufzustellen, um nicht länger in der eigenen Stadt auf Gästespielmannszüge angewiesen zu sein. Endlich fand man 1961 einen Mitbürger, der alle fachlichen sowie auch menschlichen Voraussetzungen mitzubringen schien: Alfred Zimmermann, ein Vollblutmusiker, begann sogleich 1962 mit der Mitgliederwerbung. Zum ersten festgesetzten Übungsabend erschienen zunächst 13 Mann; die Mitgliederwerbung wurde intensiviert und allmählich wuchs ein beachtlicher Klangkörper heran. Im Juli 1962 bekam Zimmermann tatkräftige Unterstützung in der Ausbildung von Horst Müller, einem ehemaligen Berufskollegen.
Das Jahr 1963 brachte viele Einsätze in Espelkamp und Umgebung und so kam die Anregung, dem Spielmannszug einen Fanfarenzug anzugliedern. Kurt Hamburger erwies sich dabei als ein Mitarbeiter, der bereits über große Erfahrung verfügte. Der Musikzug der Schützengesellschaft Espelkamp war somit geboren. Zahllose Auftritte folgten und die ersten Erfolge bei Wettstreiten stellten sich ein. So gab es 1965 für den Musikzug und den Tambourmajor jeweils den 2. Platz beim Wettstreit in Diepholz!
Doch dann kam plötzlich und unerwartet ein harter Schicksalsschlag: Alfred Zimmermann starb und mit ihm blieb der Motor stehen! Die folgenden Jahre waren Jahre der Stagnation und Resignation. Der größte Fehler wurde gemacht, indem man sich der Jugend verschloß. So blieb auch noch der Nachwuchs aus. So kam es, das 1974 der Musikzug vor der Auflösung stand. Im Herbst 1975 faßten sich einige junge Nachwuchsspieler, unter anderem Volker Englich und Wolfgang Haschke ein Herz, ohne Erfahrung und entsprechendes Wissen das Ruder in die Hand zu nehmen. Was für ein Vorhaben, sich dieser Herausforderung zu stellen! Die nächsten ein bis zwei Jahre waren ein einziger Lernprozeß. 1978 wurde der vollständige altersmäßige Umbruch vollzogen; die Werbetrommel für jugendlichen Nachwuchs wurde gerührt wie nie zuvor, man ging in die Schulen und warb vor den Klassen für dieses Hobby. Plakate wurden aufgehängt, Briefkastenaktionen durchgeführt und Mund-zu-Mund-Propaganda betrieben – und der Nachwuchs kam!
Wie besessen wurde das Ziel verfolgt, aus dem Musikzug von einst mit seinen jetzt jugendlichen Mitgliedern wieder einen guten Klangkörper zu machen. Im Jahr 1979 trat der Verein dem Verband der Fanfaren- und Tambourkorps NRW e.V. bei, um dazuzulernen. Lehrgänge wurden besucht und sogar innerhalb des Bezirks Ostwestfalen-Lippe in Espelkamp ausgerichtet. Musikalisches Ziel war es, nach Noten spielen zu lernen, und nicht weiter nach Griffzahlen wie bisher. Nur wer Musik versteht, kann sie auch richtig interpretieren.
Die ersten Erfolge bei Wettstreiten stellten sich ein:
- 1983 Gesamtsieger in Reinigen-Dielingen; 5 Pokale gehen nach Espelkamp!
- 1988 Gewinner des Ostwestfalenpokals in Spenge; der Wanderpokal geht für ein Jahr nach Espelkamp!
- 1990 Doppelsieg beim 10. Internationalen Musikwettstreit in Diepholz; Spielmanns- und Fanfarenzug jeweils auf Platz 1!
Neben dem aktiven Spiel- und Übungsbetrieb kam natürlich auch die Geselligkeit nicht zu kurz; so wurde 1985 eine einwöchige Ferienfreizeit nach Filzmoos/Österreich sowie in den Jahren viele Ausflüge, andere Freizeiten und Kameradschaftsfeiern unternommen und ausgerichtet. 1987 wurde das 25-jährige Jubiläum mit vielen befreundeten Vereinen beim Bezirksmusikfest im Bürgerhaus gefeiert. Vorangegangen war am Abend vorher der „Große Zapfenstreich“ mit dem Fanfarencorps Lenzinghausen und der Zapfenstreichbesetzung unseres Musikzuges.
Gegen Ende der 90er stellte der Musikzug aufgrund Nachwuchsmangel seinen Spiel- und Übungsbetrieb ein. Wir haben Niederlagen erlebt, aber auch viel Gutes, menschlich Wertvolles erfahren und die Erinnerungen an viele schöne Erlebnisse werden uns wohl in unseren Erinnerungen immer begleiten.
gez. Wolfgang Haschke

